Day-Ahead-Markt: So entsteht dein Strompreis

Der Day-Ahead-Markt ist die Strombörse für den nächsten Tag: Käufer und Verkäufer geben bis zum Mittag ihre Gebote ab, und für jede der 24 Stunden entsteht ein eigener Preis. Wie dieser Preis zustande kommt und was er mit deiner Rechnung zu tun hat, liest du hier.
Der Day-Ahead-Markt (Spotmarkt) ist die Auktion an der Strombörse, in der Strom für die einzelnen Stunden des Folgetags gehandelt wird. Die Gebote werden bis zum Mittag des Vortags abgegeben, danach berechnet die Börse für jede Lieferstunde einen einheitlichen Preis in Euro pro Megawattstunde (EUR/MWh). Ergebnis: 24 Stundenpreise (bzw. Viertelstundenwerte im kontinuierlichen Handel) für den nächsten Tag — bekannt, bevor der Strom überhaupt fließt.

1) Alle Erzeuger bieten ihre Strommengen zu ihren Grenzkosten an — Wind und Solar nahe null, dann Kernkraft/Braunkohle, dann Steinkohle, dann Gas. 2) Alle Käufer (Versorger, Industrie, Händler) melden ihren Bedarf. 3) Die Börse sortiert die Angebote von billig nach teuer und geht die Liste hoch, bis die Nachfrage gedeckt ist. 4) Das letzte, teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis — und den bekommen alle. Das ist das Einheitspreis-Prinzip: Deshalb macht oft das Gaskraftwerk den Preis, obwohl viel billiger Wind im Netz ist.

Die Merit-Order sieht in jeder Stunde anders aus: Viel Wind und Sonne bei wenig Verbrauch schieben die teuren Kraftwerke aus dem Markt, der Preis fällt. Flaute am Winterabend zieht Gaskraftwerke in den Markt, der Preis steigt. Wird mehr eingespeist als gebraucht und lässt sich die Erzeugung nicht schnell drosseln, rutscht der Preis unter null: Erzeuger zahlen dann dafür, einspeisen zu dürfen. In Deutschland haben wir 2026 bis jetzt 423 Negativpreis-Stunden gezählt, der Tiefstwert lag bei −500 EUR/MWh (eigene Auswertung der ENTSO-E-Daten).

Im klassischen Festpreistarif siehst du den Börsenpreis nicht direkt — dein Versorger kauft im Voraus ein und mischt Beschaffungspreise über Monate. Der Börsenpreis wirkt deshalb verzögert, über den Beschaffungsanteil deines Tarifs. Nur der Energieanteil hängt am Markt; Netzentgelte, Messstellenbetrieb, Steuern und Abgaben laufen unabhängig davon. Deshalb sinkt deine Rechnung nicht sofort, wenn an der Börse gerade ein Negativpreis steht.

Bei einem dynamischen Tarif wird der Day-Ahead-Stundenpreis auf deine Verbrauchsstunden umgelegt — plus Aufschläge, Netzentgelte, Steuern und Abgaben. Voraussetzung ist ein intelligentes Messsystem (iMSys), das viertelstündlich misst. Das lohnt sich, wenn du Verbrauch wirklich verschieben kannst: Wärmepumpe, E-Auto-Ladung, Speicher, Waschen und Trocknen. Ohne verschiebbaren Verbrauch bringt der dynamische Tarif wenig — du bezahlst dann einfach die Schwankung mit.
Die Day-Ahead-Preise für den Folgetag stehen ab dem frühen Nachmittag fest und sind öffentlich einsehbar — unter anderem über die ENTSO-E-Transparenzplattform und die SMARD-Plattform der Bundesnetzagentur. Schau dir dort nicht nur den Tagesdurchschnitt an, sondern die Stundenkurve: Interessant sind die Mittagsstunden (Solar drückt den Preis) und die Abendspitze zwischen etwa 17 und 20 Uhr. Wer Lasten verschiebt, plant genau entlang dieser Kurve.
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