Lastgang der Trafostation mit Speicher richtig lesen

Ein Lastgang aus der Trafostation zeigt dir immer nur das Netto am Übergabepunkt — was der Speicher dahinter tut, siehst du darin nicht. Hier bekommst du die feste Reihenfolge, in der du die Datei liest, damit du keine gekappte Kurve für die echte Anlagenlast hältst.
1) Auflösung und Einheit prüfen: Standard sind 15-Minuten-Werte in kWh je Intervall — nicht kW. 2) Zählpunkt und Richtung klären: OBIS 1-1:1.29.0 ist Netzbezug, 2-1:2.29.0 ist Einspeisung; beide Kanäle gehören nebeneinander. 3) Umrechnen: kWh je Viertelstunde × 4 = kW mittlere Leistung. 4) Die Speicherkurve (Laden/Entladen) danebenlegen. 5) Erst jetzt bewerten — Spitze im Netto suchen und fragen, was ohne Speicher an dieser Stelle stünde. Wer Schritt 4 überspringt, interpretiert eine Kurve, die zwei Ursachen haben kann.

In fast jedem VNB-Export steht pro Zeile eine Energiemenge, keine Leistung. 30 kWh in einer Viertelstunde sind 120 kW mittlere Leistung, nicht 30 kW. Verwechselst du das, liegst du um den Faktor 4 daneben — und zwar systematisch bei jeder Spitze, jeder Auslegung und jedem Einsparversprechen. Prüfe die Einheit im Dateikopf, bevor du irgendeine Zahl weiterverwendest. Steht dort bereits kW, ist die Umrechnung schon erledigt; dann darfst du nicht nochmal multiplizieren.

Die Trafostation misst am Übergabepunkt das Netto: Anlagenlast minus Entladung plus Ladung. Kappt der Speicher zuverlässig die Spitze, sieht der Lastgang aus wie eine brave, flache Kurve. Die echte Last der Anlage steckt trotzdem dahinter — und steht wieder voll im Netz, sobald der Speicher leer ist, in Wartung geht oder eine Störung hat. Aus einem gekappten Netto-Lastgang darfst du deshalb weder Anschlussleistung noch Trafogröße noch Lastspitzenrisiko ableiten. Dafür brauchst du die rekonstruierte Bruttolast: Netto plus Entladung minus Ladung, Viertelstunde für Viertelstunde.

Drei Muster verraten dir einen aktiven Speicher, auch ohne dessen eigene Messwerte: gekappte Bezugsspitzen, die alle an derselben Höhe abschneiden (das ist der eingestellte Zielwert); flache Plateaus statt spitzer Zacken; und eine neue, oft nächtliche Bezugsspitze, wenn der Speicher nachlädt. Punkt drei ist der Haken — Peak-Shaving verschiebt Leistung, es löscht sie nicht. Wenn die Ladespitze in dieselbe Abrechnungsperiode fällt, kann sie deine Höchstlast sogar bestimmen.

Soll der Speicher nicht nur im Haus arbeiten, sondern auch ins Netz zurückspeisen, brauchst du eine eigene Messstelle am Speicher (Ein und Aus). Ohne sie ist am Übergabepunkt nicht trennbar, ob eingespeister Strom aus der PV oder aus dem Speicher kam — und die Rückspeisung wird der EEG-Vergütung der PV zugerechnet. Lädt der Speicher gemischt aus PV und Netzbezug, schließt das eine klassische Volleinspeise-Vergütung aus; es braucht dann eine kaufmännisch-bilanzielle Abgrenzung. Kläre das, bevor du Erträge aus dem Lastgang rechnest — nicht danach.
Bei einer Trafostation misst der Zähler fast immer über Strom- und ggf. Spannungswandler. Ob der Faktor (Primär geteilt durch Sekundär) im Export schon eingerechnet ist oder nicht, entscheidet über eine Größenordnung. Frag das beim Messstellenbetreiber ab und mach die Gegenprobe gegen die Rechnungsmenge desselben Zeitraums. Zweiter Punkt: Auslegungsaussagen kommen nie aus Jahressummen, sondern immer aus den 15-Minuten-Werten — eine Jahres-kWh-Zahl enthält keine einzige Information über deine Spitze.
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