kvar erklärt: So berechnest du Blindleistung richtig

kvar (Kilovar) ist die Einheit der Blindleistung Q – der Leistung, die zwischen Netz und deinen Spulen hin- und herpendelt, ohne Arbeit zu verrichten. Du berechnest sie aus Wirkleistung und Leistungsfaktor mit Q = P · tanφ oder aus Schein- und Wirkleistung mit Q = √(S² − P²).
var steht für „Volt-Ampere reaktiv", kvar = 1.000 var. Das ist eine Leistung, also ein Momentanwert: was gerade pendelt. kvarh (Kilovarstunden) ist dagegen die Blindarbeit – Leistung mal Zeit, also die Menge, die dein Zähler über den Monat aufsummiert. Merke dir die Trennung: kvar steht im Datenblatt deiner Kompensationsanlage und im Messgerät, kvarh steht auf der Stromrechnung. Wer beides verwechselt, vergleicht eine Momentaufnahme mit einer Monatssumme.

Weg 1 – du kennst Wirkleistung und cosφ: Q = P · tanφ. Beispiel: 45 kW bei cosφ 0,80 → tanφ = 0,75 → Q = 45 · 0,75 = 33,75 kvar. Weg 2 – du kennst Schein- und Wirkleistung: Q = √(S² − P²). Gegenprobe zum Beispiel: S = 45 / 0,80 = 56,25 kVA → √(56,25² − 45²) = 33,75 kvar. Weg 3 – du hast nur Zählerstände: tanφ = kvarh ÷ kWh. Bei 12.000 kWh und 7.000 kvarh sind das 0,583, das entspricht cosφ 0,86. Alle drei Wege müssen dieselbe Größenordnung liefern – tun sie das nicht, stimmt eine Eingangsgröße nicht.

Im Dreiphasennetz rechnest du mit Außenleiterspannung und Strangstrom: S = √3 · U · I, Q = √3 · U · I · sinφ. Beispiel: 400 V, 50 A je Phase, cosφ 0,80 → S = 1,732 · 400 V · 50 A = 34,64 kVA; sinφ = 0,60 → Q = 20,78 kvar. Achte auf zwei Fallen: Die 400 V sind die Spannung zwischen zwei Außenleitern (nicht 230 V gegen N), und die Formel gilt nur bei symmetrischer Belastung. Bei Schieflast musst du jede Phase einzeln rechnen und die drei Ergebnisse addieren.

Auf der Rechnung findest du keine kvar, sondern eine Position wie „Blindarbeit", „induktive Blindarbeit" oder „Blindmehrarbeit" in kvarh, multipliziert mit einem ct/kvarh-Satz aus dem Preisblatt deines Netzbetreibers. Üblich ist eine Freimenge: Blindarbeit bis zu einem bestimmten Verhältnis zur Wirkarbeit ist kostenfrei, alles darüber wird berechnet. Bei einer Freigrenze von cosφ 0,90 entspricht das tanφ = 0,484. Rechenbeispiel: 12.000 kWh × 0,484 = 5.808 kvarh frei – bei 7.000 kvarh Verbrauch werden also 1.192 kvarh abgerechnet. Den genauen Grenzwert und den Preis liest du im Preisblatt deines Netzbetreibers nach, nicht aus einer Formel.

Erstens: kW mit kVA gleichsetzen – das geht nur bei cosφ = 1. Zweitens: den cosφ vom Typenschild eines Motors auf den ganzen Betrieb übertragen; abrechnungsrelevant ist der Wert aus deinen Zählerständen. Drittens: Momentanwert und Periodenmittel mischen – ein cosφ-Anzeiger im Schaltschrank zeigt jetzt, die Rechnung mittelt über den Monat. Viertens: das Vorzeichen ignorieren – überkompensierte Anlagen speisen kapazitive Blindleistung zurück, und die kann separat als „kapazitive Blindarbeit" abgerechnet werden.
Die Zielgröße rechnest du mit Qc = P · (tanφ₁ − tanφ₂): tanφ₁ ist dein Ist-Wert, tanφ₂ der angestrebte. Beispiel: 45 kW, von cosφ 0,80 (tanφ 0,75) auf cosφ 0,95 (tanφ 0,329) → Qc = 45 · (0,75 − 0,329) = 18,9 kvar. Wichtig für die Erwartung: Kompensation senkt deine kvarh und damit den Blindarbeits-Posten, aber keine einzige kWh Wirkarbeit. Ob sich die Anlage rechnet, entscheidet allein die Differenz zwischen den bisher abgerechneten kvarh und den Kosten der Kompensation.
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