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Oberschwingung: Was ist das und was kannst du dagegen tun?

Stromfee Redaktion · 5. Juli 2026
Oberschwingung: Was ist das und was kannst du dagegen tun?
Monitoring & Netzanalyse — Stromfee (KI-Bild)

Eine Oberschwingung ist ein Strom-/Spannungsanteil, dessen Frequenz ein ganzzahliges Vielfaches der 50-Hz-Netzfrequenz ist. Sie verzerrt die eigentlich saubere Sinuskurve und entsteht überall dort, wo nichtlineare Verbraucher am Netz hängen.

Kurz erklärt: Was eine Oberschwingung ist

Dein Netz schwingt mit 50 Hz (Grundschwingung). Oberschwingungen sind zusätzliche Sinusanteile mit Vielfachen dieser Frequenz: die 3. Oberschwingung mit 150 Hz, die 5. mit 250 Hz, die 7. mit 350 Hz und so weiter. Überlagern sich Grundschwingung und Oberschwingungen, wird aus der glatten Sinuskurve eine verzerrte Kurve. Das Maß dafür ist der Klirrfaktor bzw. der THD-Wert (Total Harmonic Distortion) – je höher, desto verzerrter der Strom oder die Spannung.

Woher Oberschwingungen kommen

Verursacher sind nichtlineare Verbraucher, die den Strom nicht gleichmäßig über die Sinuswelle ziehen, sondern in Impulsen. Typisch sind Schaltnetzteile (PC, Ladegeräte), LED- und Leuchtstoff-Vorschaltgeräte, Frequenzumrichter, Drehzahlregelungen, USV-Anlagen und Wechselrichter von PV- und Speicheranlagen. Auch Transformatoren im Sättigungsbereich erzeugen Oberschwingungen. Je mehr solcher Geräte an einem Netzabschnitt hängen, desto stärker addiert sich die Verzerrung.

Warum das ein Problem ist

Oberschwingungen erzeugen zusätzliche Verluste und Wärme, ohne Nutzarbeit zu leisten. Konkrete Folgen: Transformatoren und Motoren werden wärmer und altern schneller, Kabel und Sicherungen werden zusätzlich belastet, und der Neutralleiter kann überlastet werden – denn die durch drei teilbaren Oberschwingungen (3., 9., 15.) addieren sich dort statt sich aufzuheben. Dazu kommen Fehlfunktionen empfindlicher Elektronik, Flackern und erhöhte EMV-Störungen. Kondensatoren zur Blindleistungskompensation sind besonders gefährdet, weil sie mit Oberschwingungen in Resonanz geraten können.

So spürst du Oberschwingungen auf

Verlässlich erkennst du sie nur mit Messung. Ein Netzanalysator oder ein Power-Quality-Messgerät zeigt dir das Oberschwingungsspektrum und den THD-Wert von Strom (THD-I) und Spannung (THD-U). Miss am besten am Übergabepunkt und an kritischen Unterverteilungen unter realer Last. Auffällig warme Transformatoren, brummende Drosseln, häufig auslösende Sicherungen oder ein heißer Neutralleiter sind praktische Warnzeichen, die eine Messung nahelegen.

Was du dagegen tun kannst

Die wirksamsten Maßnahmen: passive Saugkreis-Filter, die einzelne Oberschwingungen (oft die 5. und 7.) gezielt kurzschließen; Aktivfilter (Active Harmonic Filter), die den Verzerrungsanteil dynamisch gegenphasig einspeisen; sowie verdrosselte Kompensationsanlagen, damit deine Kondensatoren nicht in Resonanz geraten. Ergänzend helfen die richtige Geräteauswahl (z. B. Frequenzumrichter mit Netzdrosseln oder Active-Front-End), das Verteilen der Verursacher auf mehrere Stränge und ein ausreichend dimensionierter Neutralleiter.

Regeln und Grenzwerte

Für Oberschwingungen gilt die Normreihe DIN EN 61000: Teil 2-2/2-4 beschreibt die zulässigen Spannungs-Oberschwingungspegel im Netz, Teil 3-2/3-12 begrenzt, wie viel Geräte selbst einspeisen dürfen. Für den Anschluss größerer Anlagen an das öffentliche Netz sind zusätzlich die Vorgaben des Netzbetreibers und die einschlägigen VDE-Anwendungsregeln (VDE-AR-N 4100/4110) maßgeblich. Konkrete Grenzwerte hängen von Spannungsebene und Anschlussleistung ab – kläre sie im Zweifel mit deinem Netzbetreiber oder einer Netzverträglichkeitsprüfung.

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Was ist eine Oberschwingung? – kurz erklärt

Eine Oberschwingung ist ein Wechselstrom- oder Wechselspannungsanteil, dessen Frequenz ein ganzzahliges Vielfaches der Grundschwingung (Netzfrequenz) ist. In unserem Stromnetz schwingt die Grundschwingung mit 50 Hz. Die 2. Oberschwingung liegt also bei 100 Hz, die 3. bei 150 Hz, die 5. bei 250 Hz und so weiter – die sogenannte Ordnungszahl gibt an, das Wievielfache der Grundfrequenz gemeint ist. Diese Anteile überlagern sich der eigentlichen 50-Hz-Sinuswelle und verformen sie: Aus dem sauberen Sinus wird eine verzerrte, verbeulte Kurve. Genau diese Abweichung von der idealen Sinusform beschreibt der Begriff Oberschwingung.

Oberschwingungen entstehen dort, wo Strom nicht gleichmäßig, sondern in Stößen aus dem Netz gezogen wird – also an nichtlinearen Verbrauchern wie Schaltnetzteilen, Frequenzumrichtern, Gleichrichtern, LED-Treibern, Ladegeräten oder Wechselrichtern. Solche Geräte entnehmen ihren Strom quasi portionsweise aus der Sinuswelle, und aus dieser stoßweisen Entnahme setzen sich rechnerisch die einzelnen Oberschwingungen zusammen. Kurz gesagt: Die Grundschwingung ist der reine 50-Hz-Sinus, mit dem das Netz eigentlich arbeitet – Oberschwingungen sind die höherfrequenten Zusatzanteile, die diesen Sinus verzerren. Woran du sie im Betrieb erkennst und was du dagegen tun kannst, liest du in den folgenden Abschnitten.

Oberschwingungen kompensieren: Warum die Kompensationsanlage das nicht kann — und was wirklich hilft

Die ehrliche Antwort vorweg: Oberschwingungen kannst du nicht mit einer normalen Kompensationsanlage kompensieren. Eine klassische Kondensatorbatterie gleicht ausschließlich die Grundschwingungs-Blindleistung bei 50 Hz aus (cos φ). Für Oberschwingungsströme — also die Vielfachen von 50 Hz, vor allem die 5., 7., 11. und 13. Ordnung — ist der Kondensator dagegen ein niederohmiger Pfad. Zusammen mit der Induktivität von Trafo und Netz bildet er einen Parallelresonanzkreis. Liegt dessen Resonanzfrequenz in der Nähe einer vorhandenen Ordnung, wird der Oberschwingungsstrom verstärkt statt reduziert: Kondensatoren werden warm, Sicherungen fallen, Schütze und Drosseln brummen. Deshalb ist der korrekte Fachbegriff nicht Kompensation, sondern Vermeiden an der Quelle, Filtern oder Verdrosseln. Wenn du eine unverdrosselte Kompensationsanlage in einem Netz mit vielen Frequenzumrichtern, Netzteilen oder LED-Vorschaltgeräten betreibst, ist die Anlage nicht die Lösung, sondern Teil des Problems.

Der belastbare Weg hat eine feste Reihenfolge. Erstens messen: mit einem Netzqualitätsanalysator nach IEC 61000-4-30 am Übergabepunkt und zusätzlich am verdächtigen Abgang, typischerweise eine Woche als 10-Minuten-Mittelwerte. Du brauchst nicht nur den Gesamtklirrfaktor THDu und THDi, sondern das Spektrum je Ordnung — ohne dieses Spektrum lässt sich kein Filter dimensionieren. Bewertet wird die Spannungsverzerrung gegen EN 50160 (THDu bis 8 % im Niederspannungsnetz). Zweitens an der Quelle ansetzen: Netz- oder Zwischenkreisdrossel am Frequenzumrichter senkt den THDi deutlich und ist die günstigste Maßnahme; bei großen Antrieben kommen 12-Puls-Gleichrichter oder aktive Netzrückspeise-Einheiten (AFE) infrage. Drittens die vorhandene Kompensation verdrosseln: Eine Drossel in Reihe zum Kondensator verschiebt die Resonanz unter die 5. Ordnung, sodass die Anlage keine Oberschwingungen mehr aufnimmt (übliche Verdrosselungsgrade 5,67 %, 7 % und 14 %, Auswahl nach dominanter Ordnung). Viertens, wenn eine einzelne Ordnung klar dominiert und die Last konstant ist: ein passiver Saugkreis, der genau auf diese Frequenz abgestimmt ist. Fünftens, bei wechselnden Lasten und breitem Spektrum: ein aktiver Oberschwingungsfilter (AHF), der den Strom misst und die Störanteile gegenphasig einspeist. Wichtig ist die Reihenfolge — jede Filterlösung ohne vorherige Messung ist geraten, und passive Filter verändern zusätzlich das Blindleistungsverhalten der Anlage, was du bei der cos-φ-Regelung mitrechnen musst.

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