Shelly 3EM im Mehrfamilienhaus: Submetering für unter 100 Euro pro Wohneinheit
- Holger Roswandowicz

- 18. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
## TL;DR
Der Shelly Pro 3EM misst dreiphasig mit Klasse-1-Genauigkeit und kostet unter 150 € netto. Pro Wohneinheit lässt sich damit ein Submetering-System für weniger als 100 € aufbauen – inklusive Stromwandler, Hutschienen-Adapter und MQTT-Broker. Für eichrechtskonforme Abrechnung reicht das nicht, für internes Monitoring, WEG-Kostenverteilung oder Mieterstrom-Plausibilisierung sehr wohl.
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## Warum klassisches Submetering im MFH oft überdimensioniert ist
Wer in einem Mehrfamilienhaus mit 8 bis 20 Wohneinheiten ein Submetering aufbauen will, landet schnell bei kommerziellen Lösungen à la Janitza, Gossen Metrawatt oder den üblichen MID-Zählern mit M-Bus-Gateway. Die
Einzelzähler kosten zwischen 180 und 400 € pro Wohneinheit, dazu kommt ein M-Bus- oder Modbus-Gateway für 400 bis 900 € und ein Auslesedienst mit Jahresgebühr.
Für eichrechtskonforme Mieterstrom-Abrechnung nach MsbG führt an diesen Systemen kein Weg vorbei. Aber: Viele Anwendungsfälle im MFH sind gar nicht abrechnungspflichtig. Dazu zählen WEG-interne Verbrauchstransparenz, Plausibilisierung vom Messstellenbetreiber gelieferter Werte, Wärmepumpen-Monitoring im Mehrparteienhaus oder die Lastverteilung in PV-Überschussladen-Szenarien.
Für genau diese Fälle ist der **Shelly 3EM Mehrfamilienhaus**-Einsatz interessant.
## Hardware: Shelly Pro 3EM im Überblick
Der Shelly Pro 3EM ist ein dreiphasiger Energiezähler im Hutschienen-Format (4 TE). Er misst über externe Rogowski-Spulen oder Split-Core-Stromwandler pro Phase bis 120 A und liefert:
- Wirkleistung, Blindleistung, Scheinleistung je Phase
- Spannung, Strom, Frequenz, Leistungsfaktor
- Wirkenergie bidirektional (Bezug/Einspeisung)
- Abtastrate 1 Sekunde, Genauigkeit Klasse 1 (±1 %)
Die Klasse-1-Einstufung gilt laut Shelly-Datenblatt – sie ist nicht MID-zertifiziert und nicht für §33 MsbG-Abrechnung zugelassen. Das ist der zentrale Unterschied zu einem Zähler wie dem Eastron SDM630 MID oder dem Janitza UMG 96-EL.

### Was du pro Wohneinheit brauchst
Kalkulation für eine Standard-Wohneinheit mit 3-phasigem Zählerplatz:
| Komponente | Preis netto |
|---|---|
| Shelly Pro 3EM | ca. 130 € |
| 3x Split-Core CT 120A (wenn nicht Rogowski im Lieferumfang) | ca. 30 € |
| Hutschienen-Klemmen, Leitungsschutz | ca. 15 € |
| Zeitaufwand Elektrofachkraft (30 min) | variabel |
Bei Sammelbestellung für 12 WE liegt man materialseitig bei etwa 85 bis 95 € pro Wohneinheit.
## Software-Stack: MQTT, InfluxDB, Grafana
Der Shelly Pro 3EM spricht nativ MQTT. Das macht die Integration in bestehende Monitoring-Infrastruktur trivial – und vermeidet den Rückgriff auf die Shelly-Cloud, die für MFH-Szenarien wegen DSGVO und Stromausfall-Abhängigkeit keine gute Idee ist.
### Minimalsetup
```yaml
# docker-compose.yml (gekürzt)
services:
mosquitto:
image: eclipse-mosquitto:2
ports: ["1883:1883"]
influxdb:
image: influxdb:2.7
telegraf:
image: telegraf:1.29
grafana:
image: grafana/grafana:10
```

Telegraf subscribed den MQTT-Topic `shellies/+/status/em:0` und schreibt in InfluxDB. Eine Raspberry Pi 4 oder ein gebrauchter Mini-PC (Fujitsu Futro S740 für ~60 €) reicht als Host für bis zu 50 Shelly-Geräte völlig aus.
### Topic-Struktur sauber aufsetzen
Pro Wohneinheit sollte der Shelly einen eindeutigen Namen bekommen, z. B. `mfh-musterstrasse-weg-we03`. Dann liefert das MQTT-Topic:
```
shellies/mfh-musterstrasse-weg-we03/status/em:0
```
Das erleichtert spätere Auswertungen erheblich, gerade wenn man auf WE-Ebene Verbrauchsprofile vergleichen will. Wer das in eine ClickHouse oder TimescaleDB statt InfluxDB schreibt, kann die Daten später auch mit Spot-Preisen joinen – siehe dazu unsere [electricity_price_forecast-Pipeline](https://stromfee.ai) mit 96 Preissignalen.
## Realer Einbau: Die häufigsten Stolperfallen
### Stolperfalle 1: Platz im Zählerschrank
Der Shelly Pro 3EM braucht 4 TE. In bestehenden Zählerschränken nach TAB ist oft kein Platz neben den eHZ-Zählerplätzen. Lösung: Separates Hutschienenfeld im Verteiler oder – in Neubauten – direkt bei Planung berücksichtigen. Nicht versuchen, das in den eHZ-Platz zu quetschen. Das verstößt gegen die TAB und gibt Ärger mit dem Netzbetreiber.
### Stolperfalle 2: Stromwandler-Richtung
Die CTs haben eine Richtungspfeil-Markierung (K→L). Falsch herum eingebaut liefert der Shelly negative Leistungswerte. Das ist kein Defekt, sondern immer ein Installationsfehler. Am besten nach Inbetriebnahme eine bekannte Last (Wasserkocher 2 kW) einschalten und prüfen, ob die Leistung positiv anzeigt wird.
### Stolperfalle 3: Summenbildung
Wer den Hausanschluss zusätzlich mit einem Shelly 3EM misst und die einzelnen WE-Shellys summiert, wird Differenzen von 2 bis 5 % feststellen. Das liegt an der Messungenauigkeit (Klasse 1 = ±1 % pro Gerät) und Blindleistungsanteilen. Für Abrechnung nicht geeignet, für Plausibilisierung völlig ausreichend.
### Stolperfalle 4: WLAN oder LAN?
Der Pro 3EM hat LAN und WLAN. In Zählerschränken mit Metallgehäuse ist WLAN oft instabil. Wenn möglich: LAN ziehen. Ein PoE-Switch (z. B. MikroTik CRS305) im Technikraum erleichtert Verkabelung erheblich.
## Regulatorische Einordnung: Was darf man mit der Lösung?
**Erlaubt** ist der Einsatz für:

- Internes Monitoring (kein Rechtsgeschäft)
- Transparenz für Bewohner (freiwillig, ohne Abrechnungswirkung)
- Energieaudits nach DIN EN 16247 und EDL-G (Klasse-1-Messung wird akzeptiert)
- Plausibilisierung von Messwerten des grundzuständigen Messstellenbetreibers
- Mieterstrom-Monitoring *zusätzlich* zum eichrechtskonformen MME-Zähler
**Nicht erlaubt** ist:
- Abrechnung nach §33 MsbG (braucht MID + Eichung)
- Heizkostenabrechnung nach HeizKV (braucht anerkannte Messtechnik)
- Redispatch-2.0-Meldungen für §14a-Anlagen (braucht RLM oder iMSys)
Wer Mieterstrom nach EEG abrechnet, braucht weiterhin einen zugelassenen Zähler plus Messstellenbetreiber. Der Shelly ist dann die "zweite Meinung" – nützlich, um Monatsrechnungen des MSB vor Weiterberechnung an Mieter zu prüfen. In der Praxis tauchen dort regelmäßig Übertragungsfehler auf.
## Wirtschaftlichkeit: Wann lohnt sich DIY?
Grobrechnung für ein 12-WE-Haus:
| Position | Shelly-Setup | Klassisches Submetering |
|---|---|---|
| Hardware WE-Zähler (12x) | 1.560 € | 3.600 € |
| Gateway / Kommunikation | 200 € (Mini-PC) | 700 € (M-Bus GW) |
| Software / Portal | 0 € (self-hosted) | 180 €/a |
| Installationsaufwand | ~8 h EFK | ~6 h EFK |
| Wartung / Updates | selbst | Dienstleister |
Der Break-Even gegenüber einem gemanagten Submetering-Service liegt typischerweise im zweiten Betriebsjahr. Voraussetzung ist allerdings, dass jemand den self-hosted Stack betreibt. Für WEGs ohne technischen Verwalter kann ein kommerzielles System trotz höherer Kosten die sinnvollere Wahl sein.
## Integration in bestehende Energiemanagement-Systeme
Wer bereits ein BGA-Dashboard, eine Wärmepumpen-Steuerung oder ein PV-Monitoring betreibt, kann die WE-Daten aus den Shellys direkt einbinden. Die 1-Sekunden-Daten eignen sich auch für:
- Lastverschiebung in Wärmepumpen-Kaskaden
- Ansteuerung einer zentralen Hausbatterie nach aggregiertem Verbrauch

- Erkennung defekter Großgeräte (typische Signatur: Kühlschrank-Kompressor bleibt an)
Für komplexere Auswertungen – etwa Korrelation von Hausverbrauch mit Day-Ahead-Preisen oder viertelstündlicher Residuallast-Prognose – bietet sich die Einbindung in unsere [Stromfee Academy-Simulatoren](https://stromfee.ai) an, wo sich Arbitrage-Szenarien für Hausbatterien mit realen Lastprofilen durchspielen lassen.
## FAQ
**Ist der Shelly Pro 3EM eichrechtskonform?**
Nein. Er ist Klasse 1 (±1 %) aber nicht MID-zertifiziert. Für §33-MsbG-Abrechnung ungeeignet.
**Kann ich den Shelly 3EM im Mehrfamilienhaus ohne Netzbetreiber-Zustimmung installieren?**
Ja, solange er hinter dem Hauptzähler im Kundenbereich sitzt und nicht in den eHZ-Zählerplatz eingreift. Installation nur durch Elektrofachkraft.
**Wie viele Shellys kann ein Raspberry Pi als MQTT-Broker verwalten?**
In der Praxis problemlos 50+ Geräte. Flaschenhals ist meist die Datenbank, nicht MQTT selbst.
**Funktioniert das Setup auch ohne Internet?**
Ja. Komplett self-hosted möglich. Shelly-Cloud ist optional und sollte für MFH-Einsatz eher deaktiviert werden (DSGVO, Ausfallsicherheit).
**Was passiert bei Stromausfall?**
Der Shelly verliert gepufferte Daten nach etwa 60 Sekunden. Energiezähler-Stände werden intern gespeichert. Für kritisches Monitoring empfiehlt sich eine kleine USV (25 €) für Broker-Host und Switch.
**Kann ich den Shelly 3EM für Wärmepumpen-Monitoring nach §14a EnWG nutzen?**
Für internes Monitoring ja, für die §14a-konforme Steuerung nein – die braucht iMSys und CLS-Kanal.
**Gibt es Alternativen zum Shelly Pro 3EM?**
Ja. Der Eastron SDM630 Modbus (MID-zertifiziert, ca. 110 €) ist abrechnungsgeeignet, braucht aber ein Modbus-Gateway. Der Carlo Gavazzi EM340 ist ähnlich positioniert. Für reines Monitoring ist Shelly wegen MQTT-Native oft die einfachere Wahl.
## Zusammenfassung
Der Shelly Pro 3EM ersetzt nicht den Messstellenbetreiber, aber er macht Submetering im Mehrfamilienhaus zugänglich, das ohne ihn wirtschaftlich nicht darstellbar wäre. Unter 100 € pro Wohneinheit bekommt man eine dreiphasige Klasse-1-Messung mit 1-Sekunden-Auflösung und offener Schnittstelle – genug für Transparenz, Plausibilisierung und Energiemanagement, nicht genug für Abrechnung.
Wer ein MFH technisch sauber aufsetzen will, sollte den Shelly-Stack als Ergänzung zum MsbG-Messwesen verstehen, nicht als Ersatz. Dann wird daraus ein belastbares Monitoring-Werkzeug.
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**Weiterführend:**
- [Live-Dashboard für BESS und PV](https://stromfee.ai)
- [Stromfee Academy: BESS-PV-Simulator](https://stromfee.ai)
- [Fragen zu Submetering-Konzepten? Kontakt](https://stromfee.ai/contact)
*Holger Roswandowicz, HR Energiemanagement GmbH, Bünde*




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