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Shelly 3EM im Mehrfamilienhaus: Submetering für unter 100 Euro pro Wohneinheit

## TL;DR


Der Shelly Pro 3EM misst dreiphasig mit Klasse-1-Genauigkeit und kostet unter 150 € netto. Pro Wohneinheit lässt sich damit ein Submetering-System für weniger als 100 € aufbauen – inklusive Stromwandler, Hutschienen-Adapter und MQTT-Broker. Für eichrechtskonforme Abrechnung reicht das nicht, für internes Monitoring, WEG-Kostenverteilung oder Mieterstrom-Plausibilisierung sehr wohl.


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## Warum klassisches Submetering im MFH oft überdimensioniert ist


Wer in einem Mehrfamilienhaus mit 8 bis 20 Wohneinheiten ein Submetering aufbauen will, landet schnell bei kommerziellen Lösungen à la Janitza, Gossen Metrawatt oder den üblichen MID-Zählern mit M-Bus-Gateway. Die

Einzelzähler kosten zwischen 180 und 400 € pro Wohneinheit, dazu kommt ein M-Bus- oder Modbus-Gateway für 400 bis 900 € und ein Auslesedienst mit Jahresgebühr.


Für eichrechtskonforme Mieterstrom-Abrechnung nach MsbG führt an diesen Systemen kein Weg vorbei. Aber: Viele Anwendungsfälle im MFH sind gar nicht abrechnungspflichtig. Dazu zählen WEG-interne Verbrauchstransparenz, Plausibilisierung vom Messstellenbetreiber gelieferter Werte, Wärmepumpen-Monitoring im Mehrparteienhaus oder die Lastverteilung in PV-Überschussladen-Szenarien.


Für genau diese Fälle ist der **Shelly 3EM Mehrfamilienhaus**-Einsatz interessant.


## Hardware: Shelly Pro 3EM im Überblick


Der Shelly Pro 3EM ist ein dreiphasiger Energiezähler im Hutschienen-Format (4 TE). Er misst über externe Rogowski-Spulen oder Split-Core-Stromwandler pro Phase bis 120 A und liefert:


- Wirkleistung, Blindleistung, Scheinleistung je Phase

- Spannung, Strom, Frequenz, Leistungsfaktor

- Wirkenergie bidirektional (Bezug/Einspeisung)

- Abtastrate 1 Sekunde, Genauigkeit Klasse 1 (±1 %)


Die Klasse-1-Einstufung gilt laut Shelly-Datenblatt – sie ist nicht MID-zertifiziert und nicht für §33 MsbG-Abrechnung zugelassen. Das ist der zentrale Unterschied zu einem Zähler wie dem Eastron SDM630 MID oder dem Janitza UMG 96-EL.


### Was du pro Wohneinheit brauchst


Kalkulation für eine Standard-Wohneinheit mit 3-phasigem Zählerplatz:


| Komponente | Preis netto |

|---|---|

| Shelly Pro 3EM | ca. 130 € |

| 3x Split-Core CT 120A (wenn nicht Rogowski im Lieferumfang) | ca. 30 € |

| Hutschienen-Klemmen, Leitungsschutz | ca. 15 € |

| Zeitaufwand Elektrofachkraft (30 min) | variabel |


Bei Sammelbestellung für 12 WE liegt man materialseitig bei etwa 85 bis 95 € pro Wohneinheit.


## Software-Stack: MQTT, InfluxDB, Grafana


Der Shelly Pro 3EM spricht nativ MQTT. Das macht die Integration in bestehende Monitoring-Infrastruktur trivial – und vermeidet den Rückgriff auf die Shelly-Cloud, die für MFH-Szenarien wegen DSGVO und Stromausfall-Abhängigkeit keine gute Idee ist.


### Minimalsetup


```yaml

# docker-compose.yml (gekürzt)

services:

mosquitto:

image: eclipse-mosquitto:2

ports: ["1883:1883"]

influxdb:

image: influxdb:2.7

telegraf:

image: telegraf:1.29

grafana:

image: grafana/grafana:10

```


Telegraf subscribed den MQTT-Topic `shellies/+/status/em:0` und schreibt in InfluxDB. Eine Raspberry Pi 4 oder ein gebrauchter Mini-PC (Fujitsu Futro S740 für ~60 €) reicht als Host für bis zu 50 Shelly-Geräte völlig aus.


### Topic-Struktur sauber aufsetzen


Pro Wohneinheit sollte der Shelly einen eindeutigen Namen bekommen, z. B. `mfh-musterstrasse-weg-we03`. Dann liefert das MQTT-Topic:


```

shellies/mfh-musterstrasse-weg-we03/status/em:0

```


Das erleichtert spätere Auswertungen erheblich, gerade wenn man auf WE-Ebene Verbrauchsprofile vergleichen will. Wer das in eine ClickHouse oder TimescaleDB statt InfluxDB schreibt, kann die Daten später auch mit Spot-Preisen joinen – siehe dazu unsere [electricity_price_forecast-Pipeline](https://stromfee.ai) mit 96 Preissignalen.


## Realer Einbau: Die häufigsten Stolperfallen


### Stolperfalle 1: Platz im Zählerschrank


Der Shelly Pro 3EM braucht 4 TE. In bestehenden Zählerschränken nach TAB ist oft kein Platz neben den eHZ-Zählerplätzen. Lösung: Separates Hutschienenfeld im Verteiler oder – in Neubauten – direkt bei Planung berücksichtigen. Nicht versuchen, das in den eHZ-Platz zu quetschen. Das verstößt gegen die TAB und gibt Ärger mit dem Netzbetreiber.


### Stolperfalle 2: Stromwandler-Richtung


Die CTs haben eine Richtungspfeil-Markierung (K→L). Falsch herum eingebaut liefert der Shelly negative Leistungswerte. Das ist kein Defekt, sondern immer ein Installationsfehler. Am besten nach Inbetriebnahme eine bekannte Last (Wasserkocher 2 kW) einschalten und prüfen, ob die Leistung positiv anzeigt wird.


### Stolperfalle 3: Summenbildung


Wer den Hausanschluss zusätzlich mit einem Shelly 3EM misst und die einzelnen WE-Shellys summiert, wird Differenzen von 2 bis 5 % feststellen. Das liegt an der Messungenauigkeit (Klasse 1 = ±1 % pro Gerät) und Blindleistungsanteilen. Für Abrechnung nicht geeignet, für Plausibilisierung völlig ausreichend.


### Stolperfalle 4: WLAN oder LAN?


Der Pro 3EM hat LAN und WLAN. In Zählerschränken mit Metallgehäuse ist WLAN oft instabil. Wenn möglich: LAN ziehen. Ein PoE-Switch (z. B. MikroTik CRS305) im Technikraum erleichtert Verkabelung erheblich.


## Regulatorische Einordnung: Was darf man mit der Lösung?


**Erlaubt** ist der Einsatz für:


- Internes Monitoring (kein Rechtsgeschäft)

- Transparenz für Bewohner (freiwillig, ohne Abrechnungswirkung)

- Energieaudits nach DIN EN 16247 und EDL-G (Klasse-1-Messung wird akzeptiert)

- Plausibilisierung von Messwerten des grundzuständigen Messstellenbetreibers

- Mieterstrom-Monitoring *zusätzlich* zum eichrechtskonformen MME-Zähler


**Nicht erlaubt** ist:


- Abrechnung nach §33 MsbG (braucht MID + Eichung)

- Heizkostenabrechnung nach HeizKV (braucht anerkannte Messtechnik)

- Redispatch-2.0-Meldungen für §14a-Anlagen (braucht RLM oder iMSys)


Wer Mieterstrom nach EEG abrechnet, braucht weiterhin einen zugelassenen Zähler plus Messstellenbetreiber. Der Shelly ist dann die "zweite Meinung" – nützlich, um Monatsrechnungen des MSB vor Weiterberechnung an Mieter zu prüfen. In der Praxis tauchen dort regelmäßig Übertragungsfehler auf.


## Wirtschaftlichkeit: Wann lohnt sich DIY?


Grobrechnung für ein 12-WE-Haus:


| Position | Shelly-Setup | Klassisches Submetering |

|---|---|---|

| Hardware WE-Zähler (12x) | 1.560 € | 3.600 € |

| Gateway / Kommunikation | 200 € (Mini-PC) | 700 € (M-Bus GW) |

| Software / Portal | 0 € (self-hosted) | 180 €/a |

| Installationsaufwand | ~8 h EFK | ~6 h EFK |

| Wartung / Updates | selbst | Dienstleister |


Der Break-Even gegenüber einem gemanagten Submetering-Service liegt typischerweise im zweiten Betriebsjahr. Voraussetzung ist allerdings, dass jemand den self-hosted Stack betreibt. Für WEGs ohne technischen Verwalter kann ein kommerzielles System trotz höherer Kosten die sinnvollere Wahl sein.


## Integration in bestehende Energiemanagement-Systeme


Wer bereits ein BGA-Dashboard, eine Wärmepumpen-Steuerung oder ein PV-Monitoring betreibt, kann die WE-Daten aus den Shellys direkt einbinden. Die 1-Sekunden-Daten eignen sich auch für:


- Lastverschiebung in Wärmepumpen-Kaskaden

- Ansteuerung einer zentralen Hausbatterie nach aggregiertem Verbrauch

- Erkennung defekter Großgeräte (typische Signatur: Kühlschrank-Kompressor bleibt an)


Für komplexere Auswertungen – etwa Korrelation von Hausverbrauch mit Day-Ahead-Preisen oder viertelstündlicher Residuallast-Prognose – bietet sich die Einbindung in unsere [Stromfee Academy-Simulatoren](https://stromfee.ai) an, wo sich Arbitrage-Szenarien für Hausbatterien mit realen Lastprofilen durchspielen lassen.


## FAQ


**Ist der Shelly Pro 3EM eichrechtskonform?**

Nein. Er ist Klasse 1 (±1 %) aber nicht MID-zertifiziert. Für §33-MsbG-Abrechnung ungeeignet.


**Kann ich den Shelly 3EM im Mehrfamilienhaus ohne Netzbetreiber-Zustimmung installieren?**

Ja, solange er hinter dem Hauptzähler im Kundenbereich sitzt und nicht in den eHZ-Zählerplatz eingreift. Installation nur durch Elektrofachkraft.


**Wie viele Shellys kann ein Raspberry Pi als MQTT-Broker verwalten?**

In der Praxis problemlos 50+ Geräte. Flaschenhals ist meist die Datenbank, nicht MQTT selbst.


**Funktioniert das Setup auch ohne Internet?**

Ja. Komplett self-hosted möglich. Shelly-Cloud ist optional und sollte für MFH-Einsatz eher deaktiviert werden (DSGVO, Ausfallsicherheit).


**Was passiert bei Stromausfall?**

Der Shelly verliert gepufferte Daten nach etwa 60 Sekunden. Energiezähler-Stände werden intern gespeichert. Für kritisches Monitoring empfiehlt sich eine kleine USV (25 €) für Broker-Host und Switch.


**Kann ich den Shelly 3EM für Wärmepumpen-Monitoring nach §14a EnWG nutzen?**

Für internes Monitoring ja, für die §14a-konforme Steuerung nein – die braucht iMSys und CLS-Kanal.


**Gibt es Alternativen zum Shelly Pro 3EM?**

Ja. Der Eastron SDM630 Modbus (MID-zertifiziert, ca. 110 €) ist abrechnungsgeeignet, braucht aber ein Modbus-Gateway. Der Carlo Gavazzi EM340 ist ähnlich positioniert. Für reines Monitoring ist Shelly wegen MQTT-Native oft die einfachere Wahl.


## Zusammenfassung


Der Shelly Pro 3EM ersetzt nicht den Messstellenbetreiber, aber er macht Submetering im Mehrfamilienhaus zugänglich, das ohne ihn wirtschaftlich nicht darstellbar wäre. Unter 100 € pro Wohneinheit bekommt man eine dreiphasige Klasse-1-Messung mit 1-Sekunden-Auflösung und offener Schnittstelle – genug für Transparenz, Plausibilisierung und Energiemanagement, nicht genug für Abrechnung.


Wer ein MFH technisch sauber aufsetzen will, sollte den Shelly-Stack als Ergänzung zum MsbG-Messwesen verstehen, nicht als Ersatz. Dann wird daraus ein belastbares Monitoring-Werkzeug.


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**Weiterführend:**

- [Live-Dashboard für BESS und PV](https://stromfee.ai)

- [Stromfee Academy: BESS-PV-Simulator](https://stromfee.ai)

- [Fragen zu Submetering-Konzepten? Kontakt](https://stromfee.ai/contact)


*Holger Roswandowicz, HR Energiemanagement GmbH, Bünde*

 
 
 

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