Wie verläuft der EEX Strompreis im Jahresverlauf?

Kurz: Der Börsenstrompreis folgt keinem festen Kalender, aber einem wiederkehrenden Muster — teurer in den dunklen, kalten Monaten, deutlich billiger an sonnigen Mittagen im Sommerhalbjahr, bis hinunter in negative Preise. Wie stark der Ausschlag ausfällt, entscheidet jedes Jahr neu vor allem der Gaspreis, das Wetter und die Kraftwerksverfügbarkeit.
Von November bis Februar liegt der Preis im Schnitt am höchsten: Die Last ist hoch, die Tage sind kurz, Solarstrom fällt kaum an, und die letzte benötigte Kilowattstunde kommt oft aus einem Gaskraftwerk — dessen Kosten setzen dann den Preis. Von März bis September drückt die Photovoltaik die Mittagsstunden nach unten, an windigen Wochenenden auch ganze Tage. Frühjahr und Herbst sind Übergangszonen mit den größten Sprüngen zwischen einzelnen Tagen. Wichtig: Das ist eine Tendenz, kein Fahrplan — ein milder, windiger Winter kann günstiger sein als ein bewölkter, windstiller Sommermonat.

Innerhalb eines Tages schwankt der Preis meist stärker als der Monatsdurchschnitt übers Jahr. Typisch sind zwei Hochpunkte — morgens beim Hochfahren und abends nach Sonnenuntergang — und eine Mittagsdelle, die im Sommerhalbjahr am tiefsten ist. Genau deshalb bringt ein Blick auf reine Monatsmittelwerte wenig: Wenn dein Betrieb tagsüber verbraucht, erlebst du ein anderes Jahr als ein Betrieb mit Nachtschicht. Rechne immer mit deinem eigenen Lastgang gegen die Stundenpreise, nicht gegen den Jahresdurchschnitt.

Wenn viel Wind- und Solarstrom auf wenig Verbrauch trifft, rutscht der Day-Ahead-Preis unter null. In unserer eigenen Auswertung der ENTSO-E-Daten zählen wir für Deutschland im Jahr 2026 bis heute 455 negative Stunden, mit einem Tiefstwert von −500 EUR/MWh. Diese Stunden häufen sich an sonnigen Wochenenden und Feiertagen im Frühjahr und Sommer — sie sind der Grund, warum der Sommer-Mittag im Jahresverlauf so tief einbricht, obwohl der Sommer als Ganzes nicht automatisch billig ist.

Wenn von "dem EEX-Preis" die Rede ist, sind meist zwei verschiedene Dinge gemeint. Der Spotpreis (Day-Ahead-Auktion, Ergebnis am Vortag für die Stunden des Folgetags) ist die zackige Kurve mit Mittagsdellen und Negativstunden — er wird für Deutschland über die Spotbörse EPEX SPOT ermittelt. Der Terminmarkt an der EEX in Leipzig handelt dagegen Futures auf Monate, Quartale und ganze Kalenderjahre; diese Kurve ist glatt und zeigt keine Tagesmuster, sondern die Erwartung des Marktes. Für die Frage "wie war das Jahr" schaust du auf den Spotmarkt, für "was kostet mein Vertrag ab nächstem Jahr" auf den Terminmarkt.

Kostenlos und ohne Anmeldung geht das über SMARD.de der Bundesnetzagentur: Großhandelspreise auswählen, Zeitraum auf ein Kalenderjahr stellen, als Stundenwerte oder Monatsmittel anzeigen und als CSV herunterladen. Die gleichen Daten liegen auf der ENTSO-E Transparency Platform, dort auch länderübergreifend zum Vergleich. Nimm für einen ehrlichen Jahresvergleich immer denselben Auflösungsgrad und dieselbe Preiszone — Stundenwerte gegen Monatsmittel zu stellen, erzeugt Scheinunterschiede.
Der Börsenverlauf schlägt nur dann direkt auf deine Rechnung durch, wenn dein Vertrag spotindexiert ist oder du dynamisch beziehst. Bei einem Festpreisvertrag hast du das Jahresmuster bereits eingekauft — es steckt im Terminmarktpreis, den dein Lieferant zum Abschlusszeitpunkt gesehen hat. Prüf zuerst im Vertrag, welche Größe deinen Arbeitspreis bestimmt: Erst danach lohnt es sich, den Jahresverlauf zur Steuerung von Lasten, Speicher oder Beschaffungstranchen zu nutzen. Und beachte: Netzentgelte, Steuern und Umlagen folgen ihrer eigenen Logik und können eine günstige Börsenphase im Endpreis komplett überdecken.
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