Trafoverluste: woher sie kommen und was sie kosten

Ein Transformator verliert Energie auf genau zwei Wegen: im Eisenkern (Leerlaufverluste, rund um die Uhr gleich) und in den Wicklungen (Lastverluste, die quadratisch mit der Belastung steigen). Beides wird zu Wärme — und beides zahlst du, entweder als kWh auf deinem Zähler oder als Zuschlag im Netzentgelt.
Die Gesamtverlustleistung deines Trafos rechnest du mit P_V = P0 + Pk · (S/Sn)². P0 sind die Leerlaufverluste (auch Eisen- oder Kernverluste): sie fallen an, sobald der Trafo unter Spannung steht — auch nachts bei null Last. Pk sind die Kurzschluss- oder Lastverluste (Wicklungs-/Kupferverluste) bei Nennlast Sn. Weil der Term quadriert wird, gilt: halbe Auslastung heißt nur noch ein Viertel der Lastverluste. Beide Werte, P0 und Pk, stehen auf dem Typenschild und im Prüfprotokoll deines Trafos — du musst sie nicht schätzen.

Die Leerlaufverluste entstehen im Blechpaket des Kerns. Das Wechselfeld magnetisiert das Eisen 50-mal pro Sekunde um; das kostet Energie (Hysterese) und treibt zusätzlich Wirbelströme im Blech (deshalb ist der Kern geblecht und nicht massiv). Diese Verluste hängen an der Spannung und der Frequenz, nicht an deiner Last — sie laufen konstant mit, 8.760 Stunden im Jahr. Die Lastverluste dagegen sind schlichte Stromwärme: I²·R im Widerstand der Wicklungen. Je mehr Strom du ziehst, desto stärker steigen sie — und desto wärmer wird der Trafo, was den Wicklungswiderstand zusätzlich erhöht.

Rechenbeispiel mit gerundeten Typenschildwerten (setz deine eigenen ein): 630-kVA-Trafo, P0 = 0,6 kW, Pk = 6 kW, mittlere Belastung 300 kVA. Lastverluste: 6 kW · (300/630)² = 1,36 kW. Plus Leerlauf: 0,6 + 1,36 = rund 1,96 kW Dauerverlust. Über ein Jahr: 1,96 kW · 8.760 h ≈ 17.200 kWh. Bei 25 ct/kWh sind das rund 4.300 € — davon entfallen allein etwa 5.250 kWh auf den Leerlauf, also auf die Zeit, in der du gar nichts produzierst. Wichtig: Rechne nicht mit einer Jahres-Durchschnittslast. Weil der Lastanteil quadriert wird, unterschätzt der Mittelwert die Verluste. Sauber ist es, je 15-Minuten-Intervall deines Lastgangs zu rechnen und die Ergebnisse zu summieren.

Zwei Fälle, und sie sehen auf der Abrechnung völlig verschieden aus. Erstens: Der Zähler sitzt auf der Oberspannungsseite (vor dem Trafo). Dann sind die Trafoverluste in den abgerechneten kWh schon enthalten — du siehst keine eigene Position, sondern zahlst sie unsichtbar mit im Arbeitspreis, und sie erhöhen zusätzlich deinen gemessenen Leistungswert in kW. Zweitens: Der Zähler sitzt auf der Unterspannungsseite (hinter dem Trafo), obwohl du auf Mittelspannung angeschlossen bist. Dann misst der Zähler die Verluste nicht mit, und der Netzbetreiber schlägt dafür einen pauschalen Verlustzuschlag auf Arbeit und Leistung auf. Den Prozentsatz findest du nicht im Gesetz, sondern im Preisblatt Netznutzung deines VNB und in deinem Netznutzungsvertrag — such nach 'Verlustzuschlag', 'Umspannverluste' oder 'Verlagerung der Messung'. Prüf beim Rechnungscheck als Erstes, welcher der beiden Fälle bei dir gilt: Steht auf der Rechnung eine Netzebene mit 'Umspannung' und gleichzeitig ein Zuschlag, ist es Fall zwei.

Auch wenn dir gar kein Trafo gehört, stecken Umspannverluste in deiner Rechnung. Die Netzentgelte sind nach Netz- und Umspannebenen gestaffelt (Höchstspannung bis Niederspannung, dazwischen jeweils die Umspannung). Wer auf einer tieferen Ebene abnimmt, trägt die Verluste aller darüberliegenden Umspannungen anteilig mit — das ist einer der Gründe, warum das Netzentgelt in der Niederspannung höher ist als in der Mittelspannung. Auf der Rechnung erscheint das nicht als 'Verluste', sondern als Arbeitspreis in ct/kWh und Leistungspreis in €/kW pro Jahr für deine Netzebene.
Das Verlustminimum bezogen auf die übertragene Energie liegt bei einer Auslastung von √(P0/Pk). Mit den Zahlen von oben: √(0,6/6) ≈ 0,32, also rund 32 % Auslastung. Praktische Folge: Laufen bei dir zwei Trafos parallel auf halber Last, prüfe, ob einer davon zeitweise abgeschaltet werden kann — jeder Trafo am Netz zieht seinen vollen Leerlaufverlust, unabhängig davon, wie wenig er überträgt. Ob dein Trafo tatsächlich so viel verliert, wie du gerechnet hast, prüfst du mit zwei Zählern: einem auf der Oberspannungs-, einem auf der Unterspannungsseite. Die Differenz der kWh über denselben Zeitraum ist die reale Verlustenergie. Ohne zweiten Zähler bleibt es eine Rechnung mit Typenschildwerten — belastbar, aber nicht gemessen.
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