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VDE-AR-N 4110 Modul 3: Lessons Learned eines landwirtschaftlichen Biogas-PV-Betreibers

**TL;DR:** Ein landwirtschaftlicher Biogas-PV-Betreiber in Niedersachsen hat 829 kW PV und 75 kW BHKW-Erweiterung nach VDE-AR-N 4110 Modul 3 zertifiziert. Die reale Rechnung lag bei rund 34.000 € für Gutachter, Messungen und EZA-Regler. Wir zeigen, welche Hardware ausreichte, wo Zeit verloren ging und welche Prüfpunkte in der Praxis häufig unterschätzt werden.


## Ausgangslage: Warum Modul 3 und nicht Modul 2?


Der Betrieb hatte seit 2014 eine 450 kW Biogasanlage mit zwei BHKWs (je 250 kW) am Mittelspannungsnetz eines regionalen Verteilnetzbetreibers. 2024 kam eine 829 kWp Freiflächen-PV auf einer vormals extensiv genutzten Weidefläche dazu, parallel wurde das Satelliten-BHKW um 75 kW auf 325 kW aufgerüstet.


Damit fiel der Anschluss eindeutig in den Geltungsbereich der VDE-AR-N 4110 (Mittelspannung, Summenleistung über 135 kW

). Die entscheidende Frage war: Reicht Modul 2 (Einheitenzertifikat plus Konformitätserklärung) oder braucht es Modul 3 (vollständiges Anlagenzertifikat)?


### Die Modul-Entscheidung in der Praxis


Für Neuanlagen über 135 kW am MS-Netz ist nach aktueller Auslegung der meisten Verteilnetzbetreiber Modul 3 vorgeschrieben. Modul 2 kommt in der Regel nur bei Bestandserweiterungen unterhalb bestimmter Schwellen in Frage. Der VNB bestand auf Modul 3, unter anderem weil die Gesamt-Einspeiseleistung nach Erweiterung bei rund 1,15 MW liegt und die PV-Wechselrichter einen anderen Typ als die BHKW-Generatoren darstellen (gemischte Erzeugungseinheiten).


Lesson Learned Nummer eins: **Die Modul-Frage frühzeitig mit dem VNB klären, schriftlich.** Im konkreten Fall wurden drei Wochen verloren, weil zunächst mit Modul 2 geplant wurde.


## Die Hardware-Liste: Was wirklich verbaut wurde


Bei Modul 3 steht und fällt alles mit dem EZA-Regler (Erzeugungsanlagen-Regler) und der Messtechnik am Netzanschlusspunkt. Hier die tatsächlich eingesetzten Komponenten:


### EZA-Regler

Es wurde ein Regler eines etablierten deutschen Herstellers mit zertifizierter Schnittstelle zur VDE-AR-N 4110 eingesetzt. Entscheidend war, dass der Regler sowohl die PV-Wechselrichter (SunSpec Modbus TCP) als auch die BHKW-Generatoren (Modbus RTU über RS485) ansteuern kann. Die Mischkonfiguration ist ein häufiger Stolperstein: Nicht jeder Regler unterstützt heterogene Erzeugungseinheiten sauber.


### Messtechnik am NAP

Am Netzanschlusspunkt wurde ein Janitza UMG 604-PRO verbaut, plus ein UMG 96-EL als redundante Messung für das interne Monitoring. Die Stromwandler sind Klasse 0,5S, was für die Zertifizierung Pflicht ist. Wer hier auf Klasse 1 spart, zahlt beim Gutachter drauf.


### Kommunikationsanbindung

Die Fernwirkanbindung zum VNB läuft über IEC 60870-5-104 auf einem separaten LTE-Router mit APN-VPN. Der VNB stellte eine fixe IP bereit. Die Inbetriebnahme dieser Strecke dauerte rund zwei Wochen inklusive Pingtests und Punktlisten-Abgleich.


### Schutzgeräte

NA-Schutz zentral am Übergabepunkt (SIPROTEC 7RW85), plus Entkupplungsschutz pro Erzeugungseinheit. Die BHKWs hatten noch den alten Schutz von 2014, der komplett ausgetauscht werden musste, weil die alte Firmware die nach 4110 geforderten Q(U)-Kennlinien nicht abbilden konnte.


## Die reale Kostenstruktur


Oft kursieren Zahlen zwischen 15.000 und 50.000 € für Modul-3-Zertifizierungen. Die tatsächliche Aufschlüsselung in diesem Projekt:


| Position | Kosten (netto) |

|---|---|

| Anlagenzertifikat (akkreditierte Zertifizierungsstelle) | 12.400 € |

| Vorab-Gutachten und Simulationen (externer Ingenieur) | 7.800 € |

| EZA-Regler Hardware plus Inbetriebnahme | 6.200 € |

| NA-Schutz-Erneuerung BHKW (Gerät plus Parametrierung) | 4.100 € |

| Messtechnik UMG 604-PRO plus Wandler | 2.900 € |

| Inbetriebsetzungsprüfung vor Ort (Messungen) | 2.400 € |

| **Summe** | **rund 34.000 €** |


Nicht enthalten: Interne Arbeitszeit des Betriebsleiters (geschätzt rund 120 Stunden über sieben Monate) und Anwaltskosten für die Netznutzungsvertragsanpassung.


Für ein Projekt mit rund 900 kW neuer Leistung und einer erwarteten Stromerlöserwartung von etwa 180.000 €/Jahr aus PV und BHKW ist das vertretbar, aber kein Selbstläufer. Wer eine 250-kW-Erweiterung plant, bei der Modul 3 zwingend wäre, sollte die Wirtschaftlichkeit neu rechnen.


## Die drei häufigsten Fallstricke


### Fallstrick 1: Q(U)-Kennlinien und Blindleistungsfähigkeit

Die 4110 verlangt eine Blindleistungsbereitstellung im Bereich cos phi = 0,95 untererregt bis 0,95 übererregt, abhängig von Wirkleistung und Netzspannung. Bei den älteren BHKW-Generatoren war das nur nach Firmware-Update und zusätzlicher Parametrierung machbar. Ein Wechselrichter-Hersteller musste per Fernzugriff neue Parameter aufspielen, weil die Default-Kennlinie des PV-Teils nicht zum VNB-Vorgabeblatt passte.


### Fallstrick 2: Simulation versus Messung

Das Zertifikat basiert zunächst auf Simulationen (DIgSILENT oder vergleichbar). Bei der Inbetriebsetzungsprüfung wird dann real gemessen. In diesem Projekt wich die gemessene FRT-Reaktion (Fault Ride Through) der PV-Wechselrichter geringfügig von der Simulation ab, was eine Nachjustierung des EZA-Reglers nötig machte. Zeitverlust: eine Woche.


### Fallstrick 3: Die Reihenfolge mit dem VNB

Der VNB will den Zertifizierer akzeptieren, das Anlagenzertifikat vor Inbetriebsetzung sehen, die Fernwirkstrecke testen und erst dann die Zählerfreigabe erteilen. Wer in der falschen Reihenfolge arbeitet, steht mit fertiger Anlage ohne Einspeiseerlaubnis da. Im konkreten Fall verzögerte sich die kommerzielle Inbetriebnahme um rund fünf Wochen, weil die Fernwirkpunktliste nicht beim ersten Mal akzeptiert wurde.


## Was man aus der Causal-Engine-Sicht lernt


Aus unserer Arbeit mit der [Stromfee Causal Engine](https://stromfee.ai) sehen wir bei zertifizierten BGA+PV-Hybridanlagen immer wieder dasselbe Muster: Die 4110-Zertifizierung stellt sicher, dass die Anlage netzkonform einspeist, sie optimiert aber nichts an der Betriebsführung. Blindleistungsvorgaben, Direktvermarktungssignale und interne Wärme-Strom-Kopplung laufen weiterhin über separate Systeme.


Wer nach der Zertifizierung wissen will, ob das BHKW gerade wirtschaftlich mitlaufen sollte oder ob die PV-Abregelung durch den EZA-Regler realer Erlösverlust oder netzseitig erzwungen ist, braucht eine zusätzliche Datenebene. Das Janitza UMG 604-PRO liefert die Messwerte, die Auswertung muss woanders passieren.


## Zeitplan in der Realität


Vom ersten VNB-Gespräch bis zur kommerziellen Inbetriebnahme vergingen in diesem Projekt rund neun Monate. Aufschlüsselung:


- Monat 1 bis 2: Netzanschlussanfrage, Modul-Klärung, Zertifizierer-Auswahl

- Monat 3 bis 4: Simulationen, Vorab-Gutachten, Komponenten-Bestellung

- Monat 5 bis 6: Bau, elektrische Installation, EZA-Regler-Konfiguration

- Monat 7: Fernwirkanbindung und Punktlisten-Abgleich

- Monat 8: Inbetriebsetzungsprüfung, Nachjustierungen

- Monat 9: Zertifikatserteilung, VNB-Freigabe, Zählertausch


Planerisch sollte man sechs Monate als absolutes Minimum und zwölf Monate als realistischen Puffer ansetzen.


## Empfehlungen für ähnliche Projekte


Wer als BGA-Betreiber eine PV-Erweiterung oder BHKW-Aufstockung am MS-Netz plant, sollte folgende Punkte frühzeitig klären:


1. **VNB-Gespräch vor der Planung:** Modul-Einordnung, Zertifizierer-Akzeptanz, Fernwirkprotokoll.

2. **Bestandsanalyse des NA-Schutzes:** Geräte vor 2018 erfüllen selten die aktuellen 4110-Anforderungen.

3. **EZA-Regler-Auswahl:** Muss die konkrete Mischung aus PV-WR und Synchrongeneratoren unterstützen.

4. **Messtechnik Klasse 0,5S:** Nicht bei den Wandlern sparen.

5. **Pufferzeit einplanen:** Inbetriebsetzungsprüfung scheitert beim ersten Versuch häufiger, als Hersteller kommunizieren.


Ergänzend lohnt ein Blick in die [Stromfee Academy](https://stromfee.ai), wo wir Simulatoren für Hybridanlagen aus PV, BHKW und optional Batteriespeicher bereitstellen. Auch der [Redispatch-2.0-Kontext](https://stromfee.ai) wird für BGA+PV-Anlagen über 100 kW zunehmend relevant.


## FAQ


**Was unterscheidet Modul 2 von Modul 3 bei der VDE-AR-N 4110?**

Modul 2 beruht auf Einheitenzertifikaten einzelner Erzeugungseinheiten plus einer Konformitätserklärung des Errichters. Modul 3 ist ein vollständiges Anlagenzertifikat einer akkreditierten Zertifizierungsstelle, basierend auf Simulation und Inbetriebsetzungsprüfung. Modul 3 ist in der Regel ab bestimmten Leistungsschwellen und bei gemischten Erzeugungseinheiten Pflicht.


**Wie lange ist ein Anlagenzertifikat nach VDE-AR-N 4110 gültig?**

Das Zertifikat gilt unbefristet für die konkret zertifizierte Anlagenkonfiguration. Bei wesentlichen Änderungen (Leistungserweiterung, Austausch zentraler Komponenten, Firmware-Änderungen am EZA-Regler) ist eine Neu- oder Nachzertifizierung erforderlich.


**Kann man den EZA-Regler selbst konfigurieren?**

Technisch ja, zertifikatstechnisch nein. Die Parametrierung muss nachvollziehbar dokumentiert sein und mit den Simulationsannahmen übereinstimmen. Abweichungen fliegen spätestens bei der Inbetriebsetzungsprüfung auf.


**Was kostet ein Modul-3-Zertifikat realistisch?**

Für Hybridanlagen im Bereich 500 kW bis 2 MW sind Gesamtkosten zwischen 25.000 € und 45.000 € realistisch, inklusive Gutachter, Hardware-Nachrüstung und Inbetriebsetzungsprüfung. Reine PV ohne Bestandserweiterung liegt tendenziell am unteren Ende.


**Braucht jede PV-Erweiterung am MS-Netz ein Anlagenzertifikat?**

Grundsätzlich ja, sobald die 4110-Schwellenwerte überschritten werden. Der VNB hat hier Auslegungsspielraum, speziell bei Bestandsanlagen. Frühzeitige schriftliche Klärung ist dringend zu empfehlen.


**Welche Rolle spielt der Direktvermarkter bei der Zertifizierung?**

Keine unmittelbare. Die 4110-Zertifizierung regelt das Netzanschlussverhalten, nicht die Vermarktung. Allerdings braucht der Direktvermarkter eine funktionierende Fernsteuerbarkeit nach EEG, die häufig über dieselbe Fernwirkstrecke wie die VNB-Anbindung läuft.


**Was passiert, wenn die Inbetriebsetzungsprüfung scheitert?**

Der Zertifizierer dokumentiert die Abweichungen, die Anlag


[gekürzt]

 
 
 

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