Scheinleistung in kVA: Definition & Berechnung

Scheinleistung S ist die Leistung, die dein Netz tatsächlich transportieren muss — gemessen in Voltampere (VA) bzw. Kilovoltampere (kVA). Sie setzt sich aus Wirkleistung (kW, die echte Arbeit) und Blindleistung (kvar, die nur pendelt) zusammen.
Scheinleistung S ist das Produkt aus Spannung und Strom, ohne Rücksicht auf die Phasenverschiebung. Einheit ist Voltampere (VA), bei größeren Werten Kilovoltampere (kVA = 1.000 VA). Sie ist immer größer oder gleich der Wirkleistung P (in kW), weil sie auch die Blindleistung Q (in kvar) enthält. Merksatz: kW ist die Leistung, die arbeitet — kVA ist die Leistung, die dein Kabel, Trafo und Zähler aushalten müssen.

Einphasig (Haushalt): S = U · I. Beispiel: 230 V · 10 A = 2.300 VA = 2,3 kVA. Dreiphasig (Drehstrom): S = √3 · U · I mit U = 400 V verketteter Spannung. Beispiel: 1,732 · 400 V · 20 A = 13.856 VA ≈ 13,9 kVA. Kennst du Wirk- und Blindleistung, gilt S = √(P² + Q²).

Die drei Größen bilden das Leistungsdreieck: S² = P² + Q². Der Leistungsfaktor cosφ = P/S sagt, wie viel der Scheinleistung echte Arbeit ist. Bei cosφ = 1 sind S und P gleich (rein ohmsch). Bei cosφ = 0,7 fließt fast so viel Blind- wie Wirkleistung — die Scheinleistung in kVA liegt dann deutlich über der nutzbaren kW-Leistung.

Transformatoren, Generatoren, USV-Anlagen und Wechselrichter werden in kVA dimensioniert, nicht in kW. Grund: Ihre Wicklungen und Halbleiter müssen den vollen Strom führen — und der hängt an der Scheinleistung, egal ob dahinter Wirk- oder Blindleistung steckt. Ein 10-kVA-Trafo an einer Last mit cosφ = 0,8 liefert nur 8 kW nutzbare Leistung.

Bei Gewerbe- und Industriekunden mit registrierender Leistungsmessung (RLM) wird neben der Wirkarbeit (kWh) oft die Blindarbeit (kvarh) separat abgerechnet — meist erst, wenn der cosφ unter etwa 0,9 fällt. Ein schlechter Leistungsfaktor treibt die Scheinleistung hoch, überlastet Zähler und Wandler und führt zu Blindarbeits-Zuschlägen. Prüfe deshalb den cosφ auf der Rechnung; eine Blindstromkompensation senkt kVA und Kosten.
Steht auf deiner Rechnung eine kW-Leistung und ein cosφ (Leistungsfaktor)? Dann ist S = P / cosφ. Beispiel: 50 kW bei cosφ 0,85 ergeben rund 58,8 kVA. Ist der abgerechnete Leistungspreis auffällig hoch, obwohl deine Maschinen kaum kW ziehen, deutet das auf hohe Blindleistung und Optimierungspotenzial hin.
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Wenn du nach "Scheinleistung Bier" suchst, meinst du fast immer das Bierglas-Bild aus der Elektrotechnik — und das geht so: Das Bier im Glas ist die Wirkleistung P in kW, die Arbeit leistet (Antrieb, Wärme, Licht). Der Schaum obendrauf ist die Blindleistung Q in kvar, die zwischen Netz und Verbraucher hin- und herpendelt und keine Arbeit verrichtet. Das ganze Glas — Bier plus Schaum — ist die Scheinleistung S in kVA. Und das Glas ist das, was du kaufen und bezahlen musst: Kabelquerschnitt, Trafo, Sicherung und Zähler werden nach S ausgelegt, nicht nach P. Der Leistungsfaktor cos φ ist in diesem Bild schlicht der Bieranteil am Glas, denn es gilt cos φ = P/S. Bei cos φ 0,8 sind vier Fünftel des Glases Bier, ein Fünftel ist Schaum. Der Wirt zapft dir also ein volles Glas, aber trinken kannst du nur den Flüssigkeitsanteil.
Merk dir aber die zwei Stellen, an denen der Vergleich kippt — sonst rechnest du falsch. Erstens addieren sich Bier und Schaum im Glas einfach übereinander, Wirk- und Blindleistung aber nicht: Es gilt S = √(P² + Q²), also die geometrische Addition im Leistungsdreieck. Sind P und Q gleich groß, ist S nicht doppelt so groß wie P, sondern nur rund das 1,41-Fache. Zweitens ist Schaum im Glas reiner Ärger, Blindleistung dagegen nicht: Motoren, Transformatoren und Drosseln brauchen sie, um ihr Magnetfeld aufzubauen. Sie ist kein Fehler, sondern eine Eigenschaft induktiver Verbraucher — sie soll nur nicht unnötig weit durchs Netz transportiert werden, deshalb kompensiert man sie nah am Verbraucher. Wenn du wissen willst, wie viel Schaum in deinem Glas steckt, schau nicht auf den Vergleich, sondern auf deine Messwerte: Wirkarbeit in kWh und Blindarbeit in kvarh stehen als getrennte Register auf dem Zähler beziehungsweise auf der Netzabrechnung. Aus diesen beiden Zahlen bekommst du deinen realen Leistungsfaktor — und erst der sagt dir, ob sich eine Kompensation überhaupt lohnt.
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