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Scheinstrom berechnen: Formel, Beispiel und Rechnung

Stromfee Redaktion · 5. Juli 2026
Scheinstrom berechnen: Formel, Beispiel und Rechnung
Technik & Blindleistung — Stromfee (KI-Bild)

Der Scheinstrom ist der Strom, der tatsächlich durch deine Leitung fließt — du berechnest ihn einphasig mit I = S/U und dreiphasig mit I = S/(√3·U). Kennst du statt der Scheinleistung nur die Wirkleistung, teilst du zusätzlich durch den Leistungsfaktor: I = P/(√3·U·cos φ).

Die Formel — einphasig und dreiphasig

Einphasig (230 V): I = S/U. Dreiphasig (400 V Drehstrom): I = S/(√3·U), also S geteilt durch rund 692,8. S setzt du in VA ein, U in Volt, dann kommt I in Ampere heraus. Umgekehrt gilt S = U·I bzw. S = √3·U·I. Merke: √3 ≈ 1,732 — das ist der Faktor, der bei Drehstrom in fast jeder Rechnung auftaucht.

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Wenn du nur kW und cos φ kennst

Auf Typenschildern steht meist die Wirkleistung P in kW plus cos φ. Dann rechnest du in zwei Schritten: erst S = P/cos φ, dann I = S/(√3·U). In einem Rutsch: I = P/(√3·U·cos φ). Wichtig bei Motoren: die kW auf dem Typenschild sind die abgegebene Wellenleistung. Die elektrische Aufnahme ist P/η — mit dem Wirkungsgrad η rechnest du also erst hoch, sonst fällt dein Scheinstrom zu klein aus.

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Rechenbeispiel: 30 kW bei cos φ 0,85

Gegeben: P = 30 kW, cos φ = 0,85, U = 400 V dreiphasig. Schritt 1: S = 30 kW / 0,85 = 35,3 kVA. Schritt 2: I = 35.294 VA / (1,732 · 400 V) = 50,9 A. Zum Vergleich der reine Wirkstromanteil: I_w = 30.000 W / (1,732 · 400 V) = 43,3 A. Die Differenz von rund 7,6 A ist der Blindstromanteil — er leistet keine Arbeit, belastet aber Kabel, Sicherung und Trafo genauso.

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Gegenprobe: Wirk- und Blindstrom addieren sich geometrisch

Wirkstrom und Blindstrom addierst du nicht einfach, sondern über den Pythagoras: I² = I_w² + I_b². Im Beispiel oben: I_b = I·sin φ; bei cos φ 0,85 ist sin φ ≈ 0,527, also I_b = 50,9 A · 0,527 = 26,8 A. Probe: √(43,3² + 26,8²) = 50,9 A — passt. Wenn deine Handrechnung deutlich abweicht, hast du meist Wirk- und Scheinstrom vertauscht oder den √3 vergessen.

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Was ein besserer cos φ konkret bringt

Kompensierst du dieselben 30 kW von cos φ 0,85 auf 0,95, sinkt S auf 30/0,95 = 31,6 kVA und der Strom auf I = 31.579 / 692,8 = 45,6 A. Das sind rund 5,3 A oder etwa 10 % weniger Strom auf derselben Leitung — bei gleicher Arbeit. Weil die Leitungsverluste mit I² gehen (P_V = I²·R), fallen sie sogar um rund 20 %. Deine kWh sinken dadurch nicht, aber Reserve in Kabel, Sicherung und Trafo gewinnst du sofort.

Wo der Scheinstrom auf deiner Rechnung auftaucht

Direkt in Ampere steht er nirgends. Indirekt wirkt er zweifach: Fällt dein cos φ unter typischerweise 0,9, stellt der Netzbetreiber die Blindarbeit in kvarh gesondert in Rechnung — prüf dazu die Zählwerke 1.8.0 (Wirkarbeit) und 3.8.0 (induktive Blindarbeit) auf deiner Abrechnung. Und die Dimensionierung folgt immer dem Scheinstrom: Trafo, Zuleitung und Absicherung werden in kVA bzw. A ausgelegt, nicht in kW. Deshalb ist ein 100-kVA-Trafo bei cos φ 0,8 schon mit 80 kW Wirkleistung voll.

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Scheinleistung einfach erklärt: was der kVA-Wert wirklich bedeutet

Scheinleistung ist die Leistung, die deine Leitung tatsächlich transportieren muss — nicht die, die bei dir Arbeit leistet. Sie hat das Formelzeichen S und die Einheit Voltampere (VA bzw. kVA), und sie ist schlicht das Produkt aus Spannung und Strom: einphasig S = U · I, dreiphasig S = √3 · U · I mit der Außenleiterspannung 400 V. Die Scheinleistung besteht aus zwei Anteilen: der Wirkleistung P in Watt, die in Wärme, Licht oder Drehmoment umgesetzt wird, und der Blindleistung Q in var, die zwischen Netz und Verbraucher hin- und herpendelt, ohne verbraucht zu werden — sie baut in Motoren, Trafos und Drosseln das Magnetfeld auf. Beide addieren sich nicht einfach, sondern geometrisch: S² = P² + Q². Deshalb ist eine Angabe in kVA nie dasselbe wie eine Angabe in kW, und ein Gerät mit 10 kVA liefert bei einem Leistungsfaktor von 0,8 nur 8 kW Wirkleistung.

Der Zusammenhang zwischen beiden ist der Leistungsfaktor cos φ = P / S, umgestellt also P = S · cos φ. Je kleiner cos φ, desto größer der Blindanteil — und desto mehr Strom fließt für dieselbe nutzbare Leistung. Genau das ist der praktische Grund, warum Scheinleistung überhaupt eine Rolle für dich spielt: Leitungsquerschnitt, Sicherung, Trafo und Wechselrichter werden nach der Scheinleistung ausgelegt, nicht nach der Wirkleistung, weil sie den vollen Strom führen müssen. Und in der Abrechnung taucht der Blindanteil separat auf: Unterschreitet der Leistungsfaktor die vom Netzbetreiber vorgegebene Grenze (üblich ist cos φ 0,9), wird die Blindarbeit in kvarh gesondert berechnet. Prüfen kannst du das direkt an deiner Messung — Wirkarbeit steht unter OBIS 1.8.0, Blindarbeit unter 3.8.0 (induktiv) bzw. 4.8.0 (kapazitiv); aus dem Verhältnis beider Zählwerke ergibt sich dein tatsächlicher cos φ über den Abrechnungszeitraum.

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Häufige Fragen

Was ist Scheinleistung und wie wird sie gemessen?

Die Scheinleistung (S) gibt die gesamte Leistung an, die ein Gerät aus dem Netz bezieht. Sie wird in der Einheit VA (Voltampere) oder kVA angegeben.

Was ist der Unterschied zwischen Wirkleistung und Scheinstrom?

Die Wirkleistung (P) beschreibt die tatsächlich verbrauchte Leistung, während der Scheinstrom (I) den gesamten Stromfluss inklusive des Blindstromanteils umfasst. Der Scheinstrom belastet Kabel, Sicherungen und Transformatoren gleichermaßen wie der Wirkstrom.

Was bedeutet die Einheit VA?

VA steht für Voltampere und ist die Einheit für die Scheinleistung. Sie wird zur Dimensionierung von Trafos, Zuleitungen und Absicherungen verwendet.

Wie berechnet man den Scheinstrom?

Der Scheinstrom berechnet sich einphasig mit I = S/U und dreiphasig mit I = S/(√3 * U). Bei bekannten Wirkleistung (P) und Leistungsfaktor (cos φ) gilt die Formel I = P / (√3 * U * cos φ).

Warum ist der Leistungsfaktor (cos φ) wichtig?

Ein höherer cos φ reduziert den Scheinstrom bei gleichbleibender Wirkleistung. Dies senkt die Leitungsverluste und schafft mehr Reservekapazität in der elektrischen Infrastruktur.

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